lädt…

Mark Radler

Notizen aus der Provinz

No93 / 7. März 2021

Panzer adé, Re-Natur und dem Holzmichl sein Reich

Unsere erste Etappe (der zweiten Haveltour) von Havelberg nach Rathenow führt uns nach Strodehne. Nachdem wir zunächst die kürzere Südwestroute über Jederitz und Kuhlhausen abgefahren sind (s. MR No89 ff), fahren wir nun die Nordostroute über Wöplitz, Vehlgast und die Dosseniederung.

Bergstadt am Havelberg

Immer an dem Hang lang

Im Unterschied zur Südwestroute brauchen wir dieses Mal weder Inselstadt noch Havel passieren. Vor dem Stadtgraben biegen wir in östliche Richtung in die kleine, am Havelberg entlangführende Gasse ein, die uns als „Weinbergstraße“ durch die schmale „Bergstadt“ führt. Auf der Linken schmiegen sich die kleinen Häuser malerisch an den steilen Berghang an. Auf der Rechten erhaschen wir zwischen den Häusern reizvolle Blicke auf Stadtgraben und Inselstadt, später auf die weite Havelniederung.

Weinbergstraße in Havelberg

Die erste Etappe der zweiten Haveltour (Nordostroute)

Blick von der Weinbergstraße über die Havellandschaft

Am östlichen Ende der Bergstadt fällt uns der terrassierte Berghang auf, der uns auf die Bedeutung des Namens „Weinbergstraße“ verweist. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurden die südlich exponierten Hänge des Havelbergs tatsächlich für den Weinanbau genutzt. Näheres dazu hatten wir bereits in MR No54 erfahren.

Damals hatten wir auch die in der Niederung gelegenen, über 1000jährigen Reste zweier slawischer Burgwälle besucht.

Ende im Gelände

Kurz hinter dem Siedlungsende führt uns ein Betonplattenweg direkt bis zur Havel, wo sich zur Linken auch die kaum noch erkennbaren Reste des Kleinen Burgwalls befinden (s. MR No54). Der befestigte Weg führt überraschenderweise direkt in die Havel rein. Bin ich hier etwa auf eine weitere ehemalige Fährstelle gestoßen?

 

Nee, besagter Betonweg nennt sich beim Volke Panzerstraße und wurde bis vor einiger Zeit vom in Havelberg stationierten Panzerbataillon zu militärischen Übungen (Havelüberquerung) genutzt. Das Panzerbataillon besteht zwar noch, aber die Panzerstraße wird wohl nicht mehr militärisch genutzt. So erzählt es mir jedenfalls ein freundlicher Mann, der hier gerade seinen Fiffi ausführt.

 

Panzer hin, Panzer her, man hat hier einen verdammt schönen Ausblick auf die Havelberger Havellanschaft.

 

Von Fiffis Boss erfahre ich weiter, dass der Bereich demnächst renaturiert werden soll. Vor allem die angrenzende Aderlanke, ein derzeit abgeschnittener Havelaltarm, soll wieder vollständig an die Havel angeschlossen und damit wieder von der Havel durchflossen werden können.

Aderlanke

Na ja, sehr begeistert klingt Fiffis Vormund dabei nicht. Die Anwohner machen sich Sorgen, dass die Panzerstraße ersatzlos rückgebaut und sie hier zukünftig ausgesperrt werden.

 

Nach einem Bericht der Magdeburger Volksstimme haben die Renaturierungsmaßnahmen inzwischen begonnen. Danach haben das eingesetzte schwere Gerät und massive Baumfällungen bei den Anwohnern zu erheblichen Irritationen geführt.

Vielen Mitmenschen ist immer noch nicht klar, dass die massiven Flussbegradigungen und Aufwallungen des vorigen Jahrhunderts nicht mit Eimer und Schippchen repariert werden können. Will man unsere Flüsse wirklich renaturieren, muss mitunter kräftig geklotzt werden, denn auch die Wasserbauer haben hier früher mächtig geklotzt. Da bringt uns heute kleckern nicht weiter.

Die Havel wird`s uns danken.

 

Und dann dem Holzmichl sein Reich

Zurück auf der Weinbergstraße, die hinter Havelberg nur noch Weinberg heißt, komme ich am etwas skurril anmutenden Reich vom Havelberger Holzmichl vorbei. Also fleißig ist dieser Michl, denn auf dem Grundstück stapeln sich endlos erscheinende Holzklafter. Holzmichl bietet „ofenfertiges Holz für alle Feuerstätten“ zum Kauf an: Brennholz, Kaminholz und Räucherholz.

 

Zu meiner großen Freude kommen dabei mehrere alte Schlepper zum Einsatz, darunter ein gut erhaltener Massey Ferguson. Sieht man wahrlich nicht alle Tage.

 

MARK RADLER fährt weiter …

Post Scriptum

Die erwähnte Panzerstraße dürfte inzwischen zurückgebaut sein. Ob ersatzlos, bleibt zu prüfen.

 

Die Nordostroute von Havelberg Richtung Wöplitz mit Abstecher auf der Panzerstraße