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Mark Radler

Notizen aus der Provinz

No54 / 12. November 2017

Re-Tour in die Havelberger Slawenzeit

Wie in Teil 1 von „Havel rauf“ verkündet (MR No28 https://markradler.de/havel-am-ende/), wollen wir vom Havelende bei Gnevsdorf etappenweise die Havel aufwärts bis zur Quelle erkunden. In Teil 5 (MR No52) hatten wir mit Havelberg die erste Havelstadt erreicht und waren in Teil 6 (MR No53) in die mittelalterliche Geschichte eingetaucht…

Von Weinbergen und Wällen

Östliche Bergstadt in Havelberg

Wenn wir die Ursprünge Havelbergs erkunden wollen, dann sollten wir eine Re-Tour in die Slawenzeit machen. Havelberg gilt ja als ein Hauptort des Slawenstammes der Nielitizi (später Brizanen), der hier vermutlich seit dem 7. Jahrhundert siedelte (s. MR No53). Bei Havelberg gibt es tatsächlich noch erkennbare Spuren aus der Slawenzeit zu besichtigen. Da ist zunächst der etwa 1,5 km südöstlich der Havelberger Altstadt an der Aderlanke gelegene Rest eines slawischen Bugwalles zu nennen. Dazu fahren wir in die Bergstadt und dann über die Weinbergstraße in östliche Richtung.

 

Ehemaliger Weinberghang östlich Havelbergs

Kurz hinter dem Siedlungsende fäll uns auf der linken Seite der steil terrassierte Hang der Havelberger oder Prignitzer Hochfläche auf. Wir begreifen augenblicklich, weshalb die Straße hier Weinbergstraße heißt. In Havelberg wurden die südlich exponierten Hanglagen der Hochfläche seit Mitte des 12. Jahrhunderts zum Weinanbau genutzt. Nicht zuletzt die Mönche des Havelberger Klosters dürften einem gehaltvollen Tröpfchen zugetan gewesen sein. Allerdings deuten Überlieferungen darauf hin, dass der märkische Wein eher durch seine Wirkung denn durch seinen Geschmack überzeugt haben dürfte. In einer alten Handschrift, die im Prignitzmuseum verwahrt wird, wird es schonungslos zum Ausdruck gebracht: „Märkerwein geht allewege durch die Kehle wie ’ne Säge!“

Im 19. Jahrhundert wurde der Weinbau in Havelberg beendet und die Hänge wurden mit Obstgehölzen bepflanzt.

„Kleiner Burgwall“

Reste des Kleinen Burgwalls

Wir lassen uns aber von der Vorstellung sauren Weines nicht aus dem Konzept bringen und biegen nach rechts Richtung Aderlanke ab und fahren den Betonplattenweg bis zum Ende, wo wir auf die Reste des so genannten „Kleinen Burgwalls“ stoßen. Wobei die uns wegen der dichten Vegetation nicht sofort ins Auge fallen, sondern aufmerksam gesucht werden wollen.

 

Wallrest

Durch die Havelbegradigung in den 1930er Jahren wurde der Südwestteil des Burgwalls leider durchstochen und größtenteils zerstört. Aber bei genauer Suche wird man noch heute fündig, erkennt man Reste der Wallanlage – und das nach über 1000 Jahren! Am einfachsten sind diese Reste in der vegetationsarmen Winterzeit bzw. im frühen Frühjahr zu finden. Nach archäologischen Befunden wurde der Wall vom späten 9. bis ins 11. Jahrhundert bewohnt bzw. genutzt. Ursprünglich handelte es sich um einen runden Wall mit einem Durchmesser von etwa 80 m. Es wird vermutet, dass es sich hier um einen befestigten Herrschaftssitz eines slawischen Kleinfürsten handelt.

 

Blick vom kleinen Wall in die Havelniederung

Angaben zu Lage und Bestand des „Kleinen Burgwalls“ finden sich auf der Webseite der Stadt Havelberg: http://www.archaeologische-baubegleitung.de/havelberg/fpl3/fpl3.html

„Großer Burgwall“

Großer Burgwall

Deutlich besser erkennbar ist der so genannte „Große Burgwall“, der etwa 5 km östlich der Havelberger Altstadt inmitten der Havelniederung liegt. Dazu fahren wir zurück auf die Weinbergstraße und von dort weiter östlich in Richtung Wöplitz. Am Ortsende biegen wir wiederum nach rechts und folgen dem breiten Wiesenweg in die Havelniederung. Von Wöplitz sind es dann noch etwa 2,2 km bis zur Wallanlage.

 

Gut erkennbare Reste des großen Walls

Der große Wall ist mit seiner ovalen Grundfläche von 100 m x 75 m deutlich größer als der kleine Wall. Allerdings ist auch er nicht mehr vollständig erhalten, aber mit seiner recht offenen Vegetation und den stellenweise deutlich über 2 m aufragenden Wällen im Gelände noch gut zu erkennen. Die Slawen haben diesen Wall auf einer kleinen Talsandinsel im Verlauf des 11. Jahrhunderts als eine typische Niederungsburg errichtet. Damals war er von einer Vielzahl slawischer Siedlungsplätze in der Havelniederung umgeben. Die archäologischen Spuren dieser Siedlungen sind durch die Landwirtschaft oder sonstige Eingriffe inzwischen weitgehend zerstört. Der Burgwall wurde im 12. Jahrhundert aufgegeben.

 

Auch Angaben zu Lage und Bestand des „Großen Burgwalls“ sind auf der Webseite der Stadt Havelberg zu finden: http://www.archaeologische-baubegleitung.de/havelberg/fpl2/fpl2.html

 

Blick vom großen Wall in die Havelniederung

Lage der beiden Havelberger Wallananlagen

Die slawischen Ursprünge der Inselstadt

Mit Sicherheit war auch die Havelberger Stadtinsel zunächst von den Slawen besiedelt, wie etliche Keramikfunde in den unteren Kulturschichten belegen. Am Marktplatz wurden bei Sanierungsarbeiten sogar Reste von mindestens 7 Holzhäusern mit Wandlängen von 3 bis 5 m gefunden. Die Häuschen waren in Blockbautechnik erbaut, der Untergrund stellenweise mit Bohlen befestigt. Die Befunde belegen eine stadtähnliche Siedlung des 11. Jahrhunderts, womit Havelberg zu den ganz wenigen und ältesten stadtähnlichen Siedlungen zwischen Elbe und Oder gehört. In der Havelberger Altstadt sind keine slawischen Spuren offen erkennbar, sieht man einmal vom Stadtgraben ab, der möglicherweise bereits von den Slawen angelegt worden ist (was jedoch archäologisch nicht belegt ist).

 

Stadtgraben mit Blick auf den Havelberger Dom

Angaben zu den archäologischen Befunden der Havelberger Inselstadt finden sich auf der Webseite der Stadt Havelberg: http://www.archaeologische-baubegleitung.de/havelberg/insel/insel.html

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