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Mark Radler

Notizen aus der Provinz

No28 / 7. Mai 2017

Havel am Ende

Vielleicht klingt das manchem zu pathetisch, aber das macht die Aussage trotzdem nicht falsch: Was der Rhein für die Deutschen ist, das ist die Havel für die Märker. Stelle man sich nur diese eine Frage: Was wäre die Mark Brandenburg ohne sie, die Havel? Kaum vorstellbar. Grund genug, die Havel zu erfahren.

Das Havelende bei Gnevsdorf

Die Havel – buchtenreicher Fluss

Unser werter Theodor nannte die Havel in seinen Wanderungen einen aparten Fluss, der wegen seiner vielen Ausbuchtungen in seiner Art ein Unikum unter den Flüssen darstellt. Und schon die Germanen erkannten und benannten diese Besonderheit, denn der Name Havel ist wohl vom germanischen Habula abgeleitet, das sich genau auf diese Buchten oder Ausbuchtungen bezieht. So bedeutet Havel in etwa „buchtenreicher Fluss“, eine Bezeichnung, die später von den Slawen und noch später von den Deutschen übernommen wurde.

Unser wackerer Wandersmann Theodor verwies auch wiederholt darauf, dass das Land, das die Havel im großen Bogen umspannt, nämlich unser so genanntes Havelland, eine Stätte ältester Kultur ist. Denken wir nur an den „Ötzi“ von Milow und die dort erhaltenen stein- und bronzezeitlichen Hügelgräber oder die zahlreichen Burgwälle, die es hier gibt (No 25/ 26). Im frühen Mittelalter bildete das Havelland ja einen bedeutenden Schwerpunkt der slawischen Besiedlung im ostelbischen Raum. Schließlich ging die Bildung der Mark Brandenburg von der gleichnamigen Burg an der Havel aus, als Albrecht der Bär 1157 die Brandenburg endgültig erobert hatte. Dem ist also wahrlich nicht zu widersprechen, dass sich die Havel in die Reihe der deutschen Kulturströme einreihen darf. Und als Natur- bzw. naturnahe Kulturlandschaft von Rang wollen wir ihre Bedeutung ebenfalls nicht unterschätzen. Das sind Gründe genug, die Havel etappenweise in ihrer ganzen Tiefe zu erfahren, was allerdings nicht wortwörtlich zu nehmen ist, denn Tauchfahrten mit dem Rad sind nicht angedacht.

Die Havel am Ende

Havelende Gnevsdorf

Vor Beginn der Havelerfahrung war erstmal eine Entscheidung fällig, denn es stellte sich die Frage, ob wir an der Quelle beginnen und die Havel dann flussabwärts, oder ob wir vom Ende her flussaufwärts fahren. Bei der Recherche zeigte sich dann schnell, dass die Havelquelle gar nicht so einfach zu finden sein wird, zumal ihre heutige Lage umstritten ist. Um in dieser Hinsicht Zeit zu gewinnen, entschied sich Mark Radler für das Havelende und die Unternehmung HAVEL RAUF. Wobei sich dann herausstellte, dass auch die Sache mit dem Ende nicht so ganz eindeutig ist. Im Grunde gibt es ja mehrere Havelenden. Wenn man das Havelende als Übergang bzw. Einmündung der Havel in die Elbe definiert, dann kommen wir sogar auf drei Enden, von denen allerdings keines mehr als natürlich bezeichnet werden kann. Hinzu kommt ein noch immer erkennbarer Altarm, der vermutlich das letzte natürliche Havelende darstellt, aber nicht mehr durchflossen wird.

Gnevsdorfer Vorfluter (Havel)

Das Havelende bei Gnevsdorf

Geht man vom letzten Übergang der Havel in die Elbe aus, dann endet die Havel beim Dörfchen Gnevsdorf in der Prignitz. Dieses Havelende wurde im Rahmen wasserbaulicher Maßnahmen zum Hochwasserschutz allerdings erst 1956 fertiggestellt. Die Havel, die hier auch als Gnevsdorfer Vorfluter bezeichnet wird, hat hier auf einer Länge von etwa 10 km daher nur einen kanalähnlichen Charakter. Gebaut wurde dieser Vorfluter, da das Gebiet zwischen Havelberg und Rathenow Jahrhunderte lang von schweren Überschwemmungen betroffen war. Bei Hochwasser der Elbe wurde nämlich Elbewasser unkontrolliert in die Havel zurückgedrückt, was in der Havelniederung zu verheerenden Überschwemmungen bis nach Rathenow führte. Daher wurde in den 1930er Jahren mit dem Bau der Wehrgruppe bei Quitzöbel und dem Verbindungskanal samt Schleuse bei Havelberg begonnen. Nach der Unterbrechung durch den Weltkrieg wurden dann nach dem Krieg der Gnevsdorfer Vorfluter und die zwei dazugehörigen Wehre zu Ende gebaut und 1956 fertiggestellt. Somit nimmt Gnevsdorf auf unabsehbare Zeit den Rang des letzten Haveldorfes ein.

Blick über die Havel auf Gnevsdorf

Gnevsdorfer Wehranlage

Gnevsdorf hinterm Deich

Dorfstraße Gnevsdorf mit Birnbäumen

Gnevsdorf

Ausgangspunkt der Radtour ist der Bahnhof Bad Wilsnack, der von Berlin mit der RE 2 in etwa 1 ½ Stunden zu erreichen ist. Die Anfahrt von Bad Wilsnack zum Havelende bei Gnevsdorf beträgt auf kürzestem Weg etwa 8,3 Kilometer.

MARK RADLER will return…