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Mark Radler

Notizen aus der Provinz

No15 / 19. Februar 2017

(Fast) Ans Ende der Welt

Erfahrung 1 – Meßdunk. Wir schreiben das Jahr 2015. Mark Radler erradelt den südlichen Außenbereich des Havellandes und fährt gerade von Reckahn nach Meßdunk, dem fasten Ende der Welt.

Man sieht nur, was man weiß

Zurück über die Reckahner Dorfstraße Richtung Osten komme ich wieder an der Dorfschule bzw. dem Schulmuseum Reckahn vorbei – und dies geläutert, was heißt, dass ich das Gebäude – wie auch das Museum – jetzt mit großem Respekt betrachte. Irgendein kluger Kopf, ich glaub’, das war unser guter Theodor, hat mal sinngemäß geäußert: „Man sieht nur, was man weiß“. Das ist wohl wahr. Trotz der erweiterten Erkenntnis habe ich für heute von Schule und Pädagogik erstmal genug – und vor allem noch zu viel vor. Jetzt zieht es mich nach Meßdunk. Von der dortigen Dorfkirche, als wichtigem Kulturort der Region, hatten die Jung-Göttinnen so sehr geschwärmt (s. No2). Mindestens so anziehend empfinde ich den Namen, auch wenn mir dabei unweigerlich ein strenger Geruch in den Sinn kommt. Der täuscht aber, denn dieser Dung, der mir da gerade in die Nase steigt, wird ja mit „g“ geschrieben.

Landschaft bei Meßdunk

Meßdunk – eine Fahrt (fast) ans Ende der Welt

Nach Süden folge ich der Meßdunker Straße. Erst später, bei einem Blick auf meine Karte, fällt mir auf, dass vermutlich der Weg durch das Fischteichgelände (etwas weiter westlich) der interessantere Weg gewesen wäre. Zu spät. Auf dem Weg nach Meßdunk sinniere ich darüber, was wohl der Ortsname bedeuten mag. Dass er keinen Bezug auf irgendeine geruchsintensive organische Ablagerung nimmt, ist mir dabei schon klar. Mehr aber auch nicht. Niemals wäre ich darauf gekommen, dass niederländische Siedler im Mittelalter den Siedlungsnamen Mostdonk aus ihrer alten Heimat hierher mitgebracht haben. Durch mündliche Überlieferung mutierte er mit der Zeit über Moesduenk und Mistdunk schließlich zu Meßdunk. Im Grunde ist es daher fast ohne Belang, was der Name urspünglich bedeutete, sollte er vermutlich in der Fremde, die neue Heimat werden sollte, in Erinnerung an die alte Heimat heimatliche Gefühle wecken. Dennoch will ich die Bedeutung hier verraten: most bedeutet mittelniederländisch Sumpf/ Moos und donk sumpfiger Boden. Da Ort im sumpfigen Sumpf etwas verquer klingt, kommen wir mit Ort im bemoostem Sumpf der Sache vermutlich näher.

 

Der Ort im bemoosten Sumpf überrascht mich dann mit einer im Brandenburgischen nicht alltäglichen Willkommens- oder Begrüßungskultur, denn nicht nur der Besucher wird hier willkommen geheißen, nein, dieser versumpfte und bemooste Ort grüßt gleich den ganzen Rest der Welt. Da fühlt man sich doch wirklich gut aufgehoben.

 

Nun, viel mehr gibt es vom alltäglichen Meßdunk dann aber auch nicht zu berichten. Wenn in der Dorfkirche (= KIRCHE MESSDUNK) nicht gerade eine Kulturveranstaltung läuft, dann lohnt selbst diese eine so lange Anreise nicht. Aber ich gestehe, da bin ich sehr subjektiv, denn so ein Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert flasht mich als Berliner einfach nicht, solche Bauten habe ich in Berlin zur Genüge. Aber das Kulturprogramm, das dort geboten wird, das hat es in sich. Geht einfach mal auf diese Webseite: http://messdunk.justkultur.de/. Vielversprechend heißt es da:

“Fast am Ende der Welt hinter einem Abzweig ins Nichts beginnt das Abenteuer in einer Kirche mit Kerzenschein und Blumen aus dem Nirgendwo. Der Raum öffnet dich und die Sterne sind zum Greifen nah. Die Glut nach dem Feuer, der Wein zur Musik, die Kultur zum Menschen – die Verzauberung beginnt.”

Wenn das keine Verheißung ist. Schaut Euch mal das aktuelle Programm für 2017 an – und fahrt (fast) ans Ende der Welt.

Am Ende der Welt – gleich hinter Meßdunk

MARK RADLER will return…