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Mark Radler

Notizen aus der Provinz

No61 / 14. Januar 2018

Der Turmbau zu Brück (I)

Auf der – gefühlten – Flucht vor Blockwarten und BuWe Feldjägern (s. MR No59 und No60) fallen mir die nördlich von Brück gelegenen eigenartigen Gittertürme auf, die ich schon einige Male – auf der Fahrt in den Hohen Fläming – von der Bahn aus gesehen habe.

Erst fliehen, dann türmen

Landstraße vor Brück

Im Nu ist mein Verfolgungswahn verflogen, denn insbesondere der ungewöhnliche Doppelturm hatte schon früher meine Neugier erweckt, nur konnte die aus der Bahn heraus schlecht gestillt werden. So nah vor Ort – und per Fahrrad – ergeben sich jetzt natürlich ganz andere Möglichkeiten der Annäherung und Informationsbeschaffung. Und in diesem Moment fügt es sich bestens, dass vor einem kleinen Siedlungsgrundstück an der Beelitzer Straße, unmittelbar vor dem Schlossbusch (s. MR No58), ein Anwohner gerade den Rasen mäht und damit schutzlos meiner Ansprache ausgeliefert ist. Der Brücker Randsiedler berichtet mir bereitwillig, dass es sich bei den Türmen um alte Antennentürme aus DDR-Zeiten handelt, deren große Besonderheit deren Holzkonstruktion sei. Die nicht mehr genutzten Türme gehören inzwischen einem Verein, der die Erhaltung als technisches Denkmal betreibt. Auf Nachfrage erfahre ich, dass das Gelände über den so genannten Antennenmessplatz auch zugänglich ist.

Antennentürme bei Brück

Blaue Post, Feuer und eine Westernranch

In der vagen Hoffnung, einen der beiden Türme möglicherweise sogar besteigen zu können, fahre ich an der Nordseite der kleinen Stadt Brück in westliche Richtung weiter – auf der Suche nach dem Antennenmessplatz. Auf dem Weg komme ich an einigen abgelegenen Siedlungsgrundstücken vorbei. Um mich des richtigen Weges zu vergewissern, spreche ich erneut einen Anwohner an, der sich zu meiner freudigen Überraschung als ehemaliger technischer Mitarbeiter des RFZ erweist, was mir zunächst zwar nichts sagt, aber umgehend erläutert wird. Unter dem Kürzel RFZ verbirgt sich das „Rundfunk und Fernsehtechnische Zentralamt” der Deutschen (DDR) Post, das hier in Brück eine Außenstelle betrieb und von der Bevölkerung, wie ich erfahre, wegen ihrer blauen Fahrzeuge auch „Blaue Post” genannt wurde. Neben den beiden in den 1960er Jahren errichteten Türmen seien auch noch mehrere Gebäude der einstigen Entwicklungsabteilung erhalten, inzwischen gehören diese aber zu einer „Westernranch”. Ich staune und freue mich schon auf eine Begegnung mit dem „Wilden Osten“. Ich erfahre dann noch, dass die Antennenanlage früher sogar aus drei Holztürmen bestand, aber Turm I sei 1979 vollständig abgebrannt – und das über mehrere Tage. Die Feuerwehr habe das Feuer gar nicht zu löschen versucht, da man so die Abriss- und Abräumkosten sparen wollte. Das sind so Geschichten aus dem Wilden Osten. Und es gruselt mich bei dem Gedanken, denn Gesundheits-fördernd dürfte der dabei – tagelang – freigesetzte Rauch bestimmt nicht gewesen sein, insbesondere wenn man an die sicher nicht zaghafte Imprägnierung der Hölzer denkt. Aber das war nicht nur ein anderes Land, damals, es waren eben auch andere Zeiten. Ich will für die Brücker allerdings hoffen, dass sie Glut und Feuer nicht auch noch für ihre Grillwürstchen und Schweinschnitzel genutzt haben. Nach der Wende wurde die Anlage noch bis 2010 von der Deutschen Bundespost betrieben, dann von der Telekom übernommen und kurz darauf – landesüblich – geschlossen und verkauft. Bereits 2009 sollte Turm II gesprengt werden, was engagierte Brücker Bürger glücklicherweise gerade noch verhindern konnten. Da bin ich mal wieder unverhofft mitten in eine spannende Geschichte geraten. Natürlich hält mich jetzt nichts mehr davon ab, den Brücker Türmen auf den Pelz zu rücken.

Ab in den Wilden Osten

MARK RADLER will return…